| YEAR | BIO |
| 1920 | Am 12. Mai wird Vilém Flusser in Prag in eine jüdische Gelehrtenfamilie geboren. Mit seiner Mutter Melitta Basch, ihren Eltern, seinem Vater Gustav und seiner Schwester Ludvika lebt er im Stadtteil Dejvice. Gustav Flusser studierte Mathematik und Physik, lehrte an der deutschen und der tschechischen Universität und war sozialdemokratischer Abgeordneter im Parlament. 1940 verhungert er im Konzentrationslager Buchenwald Die Großeltern, seine Mutter und seine Schwester werden 1942 nach Ausschwitz und dann Theresienstadt verschleppt und umgebracht |
| 1926-30 | Besuch der deutschen und tschechischen Volksschule |
| 1930 | Wechsel auf das Deutsche Realgymnasium. |
| 1936 | Flusser schreibt erste Gedichte und das Theaterstück „Saul“. |
| 1937 | Martin Bubers Vortrag „Vorurteil gegen Gott“ beeindruckt Flusser nachhaltig |
| 1938 | Immatrikulation für Philosophie an der juridischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag. |
| 1939 | Kurz nach der Besetzung Prags durch die Nationalsozialisten im März flieht Flusser gemeinsam mit Edith Barth und ihren Eltern nach London. An der London School of Economics setzt er sein Studium für einige Monate fort. |
| 1940 | Emigration nach Rio de Janeiro. Die Nachricht vom Tod seines Vaters erreicht ihn Vilèm Flusser geht nach São Paulo und findet Arbeit bei einer tschechischen Import/Export-Firma |
| 1941 | Heirat mit Edith Barth. Beide ziehen nach São Paulo. Geburt der Tochter Dinah. |
| 1943 | Geburt des Sohnes Miguel Gustavo. |
| 1945 | Erst nach Ende des Krieges erfährt Flusser vom gewaltsamen Tod seiner Familie in den Konzentrationslagern der Nazis. |
| 1950 | Beruflich bedingt übersiedelt die Familie Flusser nach Rio de Janeiro Geburt des Sohnes Viktor Beginn des Briefwechsels mit Alex Bloch Ende des Jahres kehren die Flussers nach São Paulo zurück. |
| 1950/51 | Beginn eines Buchprojektes über die Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts. |
| 1957 | Fertigstellung des bislang unveröffentlichten Buchmanuskripts „Das zwanzigste Jahrhundert“. |
| 1957/58 | Das deutsche Manuskript „Die Geschichte des Teufels“ entsteht, anschließend das portugiesische „A história do diabo“. |
| 1959 | Flusser wird Direktor der Radio- und Transformatorenfabrik Stabivolt |
| 1960 | Kontaktaufnahme mit dem Brasilianischen Philosophischen Institut (IBF) in São Paulo und so mitVincente Ferreira da Silva und Dora Feirreira da Silva, Milton Vargas und Miguel Reale Erste sprachphilosophische Vorträge am IBF und Veröffentlichungen in der Revista Brasileira Filosofia. |
| 1961 | Schulfreunde der Tochter, für die Flusser jeden Mittwoch einen philosophischen Kurs in seinem Haus hält, tragen zur Publikation des Textes „Praga, a cidade de Kafka“ [Prag, die Stadt Kafkas] in der Literaturbeilage der Paulistaner Tageszeitung O Estado de São Paulo bei. |
| 1962 | Ernennung zum Mitglied des Brasilianischen Philosophischen Instituts. |
| 1963 | Erste Buchveröffentlichung: „Lingua e realidade“ [Sprache und Wirklichkeit] Berufung zum Dozenten für Kommunikationstheorie an die Universität São Paulo. Vorlesungszyklus „Filosofia da Língua“ [Philosophie der Sprache] |
| 1963/64 | Das Buchmanuskript „Da Dúvida“ [Vom Zweifel] entsteht. |
| 1964 | Ernennung zum Professor für Kommunikationstheorie an der Fakultät für Kommunikation und Geisteswissenschaften der Fundação A.A. Penteado (FAAP) in São Paulo. Flusser hat diesen Lehrstuhl bis 1970 inne. Berufung in den Beirat der Kunstbiennale São Paulo. |
| 1965 | Sprachphilosophische Vorlesungen an der Humanistischen Fakultät des Technologischen Instituts für Aeronautik (ITA) in São José dos Campos Die Literaturzeitschrift Cavalo Azul (Hg. Dora Ferreira da Silva) veröffentlicht die beiden ersten Kapitel des bislang unveröffentlichten Buchmanuskripts „Até terceira e quarta geração“ [Bis ins dritte und vierte Geschlecht]. |
| 1966/67 | Als Abgesandter für kulturelle Zusammenarbeit mit Nordamerika und Europa des brasilianischen Außenministeriums hält Flusser Gastvorträge in Harvard, Boston, Yale, am MIT und zahlreichen europäischen Universitäten und Institutionen In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und Die Presse in Wien erscheinen Artikel von Flusser |
| 1967 | Flusser vertritt seinen Freund Milton Vargas als Dozent für Wissenschaftsphilosophie an der Escola Politécnica der Universität São Paulo Professur für Kommunikationsphilosophie an der Escola de Arte Dramática und der Escola de Superiore de Cinema in São Paulo. |
| 1968/69 | Ob der Zuspitzung der politischen Situation innerhalb Brasiliens während der Diktatur wird es für Flusser immer schwieriger zu unterrichten und zu publizieren. |
| 1970/71 | Das Buchmanuskript „Auf der Suche nach einem neuen Menschen“ entsteht. Das portugiesische Manuskript „Em busca de um Novo Homem“ wir 1998 unter dem Titel Fenomenologia do brasileiro[Phänomenologie des Brasilianers] veröffentlicht Die Veröffentlichung einer Sammlung von verstreut publizierten phänomenologischen Skizzen unter dem Titel „Coisas que me cercam“ [Dinge, die mich umgeben] scheitert |
| 1972 | Die Tageszeitung Folha de São Paulorichtet für Flusser die Kolumne „Posto Zero“ [Nullpunkt] ein, in der täglich kritische Glossen erscheinen. Die Europareise zur Vorbereitung der Biennale nehmen Edith und Vilém Flusser zum Anlaß, um nach Europa zu übersiedeln. Sie lassen sich in Meran nieder. Flusser schreibt die später unter dem Titel Natural:mente veröffentlichten phänomenologischen Skizzen. Ihre Publikation in französisch scheitert. |
| 1973 | Arbeit an der philosophischen Autobiographie „Zeugenschaft aus der Bodenlosigkeit“ (Veröffentlicht als „Bodenlos“) Erste französische Buchveröffentlichung, für die Flusser ein englisches Manuskript vorlegt Erste Artikel in französischen Zeitschriften Beginn zahlreicher Gastvorlesungen und Teilnahmen an Symposien |
| 1974 | Beginn der Arbeit an einer „Phänomenologie der menschlichen Gesten“. Vorträge in den USA. Artikel erscheinen in „main currents“. |
| 1975 | Übersiedlung in die Provence Kurs über Gesten im Institut de l'Environment in Paris |
| 1975/1976 | Vorlesungsreihe „Les Phenomenes de la Communication“ am Théâtre du Centre in Aix-en-Provence. |
| 1976 | Erster Besuch in Brasilien |
| 1976/77 | Vorlesungen „Comment notre crise existentielle se manifeste“ am Relais Culturel d'Aix-en-Provence „Curs de la theorie de la Communication“ an der École d'Art et d'Architecture in Marseille-Luminy |
| 1977 | Kurs „Les Gestes“ an der Ecole d'Art d'Aix-en-Provence |
| 1977/78 | Zunächst in englisch und deutsch, dann französisch, faßt Flusser seine kommunikationsphilosophien Konzepte in dem Buchmanuskript „Umbruch der menschlichen Beziehungen“ zusammen. Publikationstitel: „Kommunikologie“. |
| 1979 | Erneute Reise nach São Paulo |
| 1980 | Vorlesungen am Office Regional de la Culture in Marseille „La societé post-industrielle“ [Nachgeschichtliche Gesellschaft] Das Manuskript „Nachgeschichte“ entsteht, auch in portugiesischer Fassung |
| 1980/81 | Die Vorarbeiten zum „Vampyroteuthis infernalis“ beginnen. |
| 1981 | Übersiedlung nach Robion/Provence Flusser lernt seinen späteren Verleger Andreas Müller-Pohle bei einem Symposium zur Fotografie kennen. Der Essay „Für eine Philosophie der Fotografie“ entsteht Die deutsche und portugiesische Manuskriptfassung des „Vampyroteuthis infernalis“ werden fertiggestellt, die englische und französische begonnen Vorträge auf der São Paulo Biennale |
| 1983 | Mit „Für eine Philosophie der Fotografie“ veröffentlicht Flusser nach langen vergeblichen Bemühungen sein erstes Buch in Deutschland. |
| 1983/84 | Arbeit an einer erweiterten „Philosophie der Fotografie“. |
| 1985/86 | Das Buchmanuskript „Hat Schreiben Zukunft?“ entsteht |
| 1986 | Beginn der Kolumne „Curie’s Children“ im New Yorker Artforum Erster Besuch in Prag Flusser wird Berater des internationalen Kulturprojektes „A Casa da Cor“ in São Paulo. |
| 1987 | „Die Schrift. Hat Schreiben Zukunft?“ erscheint als Buch und Diskette Arbeit an „TV-Szenarien“, später in Buchform (Angenommen) veröffentlicht |
| 1988 | Für Flusser wird in der Zeitschrift European Photographie die Rubrik „Reflections“ eingerichtet |
| 1988/89 | Die Arbeit an „Von Subjekt zu Projekt“ bleibt fragmentarisch. |
| 1990 | Eröffnungsvortrag „Zelte“ zum „steirischen herbst“ in Graz |
| 1990/91 | Das Buchprojekt „Menschwerdung“ bleibt unabgeschlossen. |
| 1991 | Gastprofessur an der Ruhr-Universität Bochum mit den Seminaren „Was ist menschliche Kommunikation?“, „Kommunikationsstrukturen“, „Kommunikologie als Kulturkritik“, Vortrag „Die Informationsgesellschaft. Phantom oder Realität?“ auf dem Kongress „Cultec - Kultur und Technik im 21. Jahrhundert“ (Wissenschaftszentrum NRW) in Essen Vortrag „Paradigmenwechsel“ am Prager Goethe-Institut. Am nächsten Tag, dem 27. November kommt Flusser bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Er wird auf dem Jüdischen Friedhof in Prag beigesetzt |