Cyborgs, Servonen, Avatare. Über semiotische Prothetik
11th International Flusser Lecture
Die Medizin hat für funktionserweiternde prothetische Medien, zum Beispiel den bionischen Chip, Kleinstcomputer zum Krankheitsmanagement oder aber Implantate aus neuartigen haltbaren Werkstoffen, den Namen \"Servonen\" geprägt, abgeleitet aus dem Lateinischen von \"servus\", der Diener. Medizinische Servonen dienen dem Ersatz, der Unterstützung und der Erweiterung menschlicher Funktionen: Sie machen den Körper intelligenter und haltbarer. Bemerkenswert ist, daß der Begriff der Servonen im Unterschied zu dem der Prothese Zeichensysteme wie die Mode und semiotische Konstrukte, zum Beispiel digitale Scheinfiguren (Avatare), einbezieht. Mode und Avatare gehören ebenso wie andere Semiotechniken des Geschlechtsdesigns, etwa der gesamte Bereich der kosmetischen Chirurgie, zu den Servonen des Ge- schlechts.
Aus der Perspektive der Servonik gewinnen Probleme der \"psychischen Homöostase\" an Gewicht, die Manfred E. Clynes, der Erfinder des Begriffs Cyborg, in einem kaum beachteten Aufsatz über die Rückkoppelungseffekte von physischen Mensch-Maschine-Systemen auf deren emotionale Kommunikation bereits 1970 thematisiert hat (\"Sentic Space Travel\"). Die Diskussion dieses Konzepts im Kontext semiotischer Servonen des Geschlechts revidiert einige Positionen der gegenwärtigen Cyborg-Debatte.
Eckpunkte des Vortrags werden Überlegungen Vilém Flussers zu einer \"Leibkarte\" sein.
Klaus Bartels, Professor; unterrichtet am Institut für Germanistik II der Universität Hamburg. In den 80er Jahren Mitbegründer eines Hamburger Softwareunternehmens im Bereich Multimedia. Forschungs- und Veröffentlichungsschwerpunkte: Geschichte kultureller Zeichensysteme, Literatur und Medien, Medienwissenschaft, -theorie und -analyse im Bereich digitaler und Netzmedien. Stattgefunden am Dienstag, 11. Dezember 2002.
Aus der Perspektive der Servonik gewinnen Probleme der \"psychischen Homöostase\" an Gewicht, die Manfred E. Clynes, der Erfinder des Begriffs Cyborg, in einem kaum beachteten Aufsatz über die Rückkoppelungseffekte von physischen Mensch-Maschine-Systemen auf deren emotionale Kommunikation bereits 1970 thematisiert hat (\"Sentic Space Travel\"). Die Diskussion dieses Konzepts im Kontext semiotischer Servonen des Geschlechts revidiert einige Positionen der gegenwärtigen Cyborg-Debatte.
Eckpunkte des Vortrags werden Überlegungen Vilém Flussers zu einer \"Leibkarte\" sein.
Klaus Bartels, Professor; unterrichtet am Institut für Germanistik II der Universität Hamburg. In den 80er Jahren Mitbegründer eines Hamburger Softwareunternehmens im Bereich Multimedia. Forschungs- und Veröffentlichungsschwerpunkte: Geschichte kultureller Zeichensysteme, Literatur und Medien, Medienwissenschaft, -theorie und -analyse im Bereich digitaler und Netzmedien. Stattgefunden am Dienstag, 11. Dezember 2002.

