„Buchstabe und Zahl - Alphanumerische Szenarien zwischen Wissenschaft und Religion“

13th International Flusser Lecture
Sigrid Weigel

In seinem kleinen Beitrag über den Auszug der Zahlen aus dem alphanumerischen Code geht Flusser von einem Gegensatz zwischen Zahl/naturwissenschaftlicher Erkenntnis und alphabetischer Kultur aus. In einer Auseinandersetzung mit Flussers Schrifttheorie soll an einigen Beispielen von Notationssystemen aus Biologie und Kunst diese Opposition von Zahl und Buchstabe problematisiert werden. Zugleich verweist das Paradigma 'Zahl und Buchstabe bzw. Bild' aber auf Verbindungen zwischen Wissenschaft und Religion (vgl. Aby Warburg). Das ermöglicht eine Lektüre von Flussers Text, in der die Auszugserzählung zur Chiffre einer anderen Geschichte wird.

Sigrid Weigel, Direktorin des Zentrums für Literaturforschung (Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin) und Professorin an der TU Berlin. Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, war Professorin an den Universitäten Hamburg (1984-90) und Zürich (1992-98), hat 1990-93 das Kulturwissenschaftliche Institut (Essen) mitaufgebaut und 1998/99 das Einstein Forum (Potsdam) geleitet. Publikationen (zuletzt): Entstellte Ähnlichkeit. Walter Benjamins theo- retische Schreibweise (1997), Trauma. Zwischen Psychoanalyse und kulturellem Deutungsmuster (Mithg. 1999), Ingeborg Bachmann. Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses (1999), Lesbarkeit der Kultur. Literatur- wissenschaft zwischen Kulturtechnik und Ethnographie (Mithg. 2000), Gershom Scholem - Literatur und Rhetorik (Mithg. 2000). Stattgefunden am Dienstag, 29. Januar 2002.

Publikation unter geändertem Titel: Sigrid Weigel, Die \"innere Spannung im alphanumerischen Code\" (Flusser) Buchstabe und Zahl in grammatologischer und wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive , Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König 2006.

ISBN 3-88375-904-x