Durch Löcher (Bilder) sehen
Das kleine Loch, durch welches Licht fällt, scheint seit ältesten Zeiten unverzichtbar dafür zu sein, Bilder technisch herzustellen, also Sichtbares im Raum auf eine Fläche zu übertragen. Wir sehen somit derartige Bilder durch etwas Fehlendes, durch eine Aussparung meist wieder in einer Fläche, die diesem eine Form gibt. Ohne dieses anwesend Fehlende sehen wir Bilder im Lebensraum oder Traumbilder, rahmenlose Bilder, die nicht willentlich von uns erzeugt werden. Das technische Bild ist durch das Loch zu haben. Bisweilen gestattet es uns in Räume zu blicken, die uns benachbart, von denen wir aber gleichwohl ausgeschlossen sind, um ein Bild von ihnen zu sehen, bisweilen blicken wir überhaupt in bislang unzugängliche Räume, da wo eine optische Linse das Loch füllt. Diese Urform des technischen Sehens ist gleichzeitig auch die des Voyeurismus, Sehen ohne gesehen zu werden, nur als Auge genießend anwesend zu sein. Das Loch als Passage des Medialen wird somit Gegenstand medienphilosophischer Spekulation auf der Basis medienhistorischer Beispiele sein.
Wolfgang Pircher ist Assistenzprofessor am Institut für Philosophie der Universität Wien. Arbeitsschwerpunkte Wirtschafts- und Technikphilosophie. Kurator von Ausstellungen, u.a. „Wunderblock. Eine Geschichte der modernen Seele“, Wien 1989; „Sozialmaschine Geld“, Linz 1999.
Mittwoch, den 28. Juni 2006, 19 Uhr
Veröffentlichungen (Auswahl): Gegen den Ausnahmezustand. Zur Kritik an Carl Schmitt (hg. mit Marianne Kubaczek und Eva Waniek, 1999); Kunst, Zeichen, Technik. Philosophie am Grund der Medien (hg. mit Marianne Kubaczek und Eva Waniek, 2004).

