„Bilderschatz“
3rd International Flusser Lecture
Wörterbücher geben Auskunft über die Herkunft eines Wortes, dokumentieren abweichende Anwendungen, weisen auf den Wandel der Bedeutungen und vieles mehr. Etwas Vergleichbares gibt es nicht für den Film und verwandte Bild-Ton-Folgen, obwohl der Film von Beginn an filmische Ausdrücke prägte und fortentwickelte. Wer einen Film bedenkt, als Autor, Kinematograph oder Editor, auch als Betrachter, ist beim Vergleichsakt auf die eigene Erinnerung beschränkt, auf den eigenen Bilderschatz. Bisher nimmt es mehr Zeit, eine Fernsehsendung archivarisch zu bearbeiten als zu produzieren, mit Digitalisierung und Mustererkennung werden Bilder und Bildelemente adressierbar. Ein neues Studium der Filmsprache wird vorstellbar. Vilém Flusser, mit dem Farocki 1986 ein Videogespräch führte, hat dafür die Grundsteine gelegt, mit seinem Plädoyer 'Für eine Philosophie der Fotografie' und seinem Verständnis der neuen Qualitäten der technischen Bilder alsKomputationen von Begriffen ('Ins Universum der technischen Bilder').
Harun Farocki, geb. 1944 in der heutigen CSFR, lebt in Berlin. Er wuchs in Indonesien auf bevor er 1956 mit seiner Familie nach Westdeutschland zurückkehrte. Er studierte an der Filmakademie in Berlin. Als Dokumentar- und Essayfilmer realisierte er seit 1966 ca. 80 Fernseh- und Kinoproduktionen.Von 1972 bis 1983 arbeitete er an der Filmzeitschrift 'Filmkritik' mit und publizierte in zahlreichen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern.
Stattgefunden am 7. Dezember 1999.

