„Das Versprechen der Medien“ zu Vera Frenkels kritischer Mediengeschichte in „This Is Your Messiah Speaking“
Die Themen der kanadischen Künstlerin Vera Frenkel, die in Deutschland seit der documenta IX 1992 durch ihre Video-Installation „...From The Transit Bar“ bekannt ist, sind u.a. Migration, Exil und Diaspora einerseits, das Verhältnis Einzelner und der Gesellschaft zu Macht, Politik und Begehren andererseits. Das Videoband „This Is Your Messiah Speaking“ wurde als Großprojektion in Einkaufszentren und in Teilen als LED-Installation am Trafalgar Square gezeigt. Es zeigt eine kleine (Sprach)Geschichte der Medien in 9 Minuten, in der Gebärdensprache, Handschrift, Druckschrift, mündliches Sprechen und bewegtes Bild sich gegenseitig kommentieren. Es ist zugleich eine Reflexion der Inszenierungen der kommerziellen Konsumwelt (die Botschaft des Messias lautet: Kaufe ein!). Die ironische Übertragung messianischer Erlösungsversprechen zwischen Apokalypse und Heil(ung), zwischen dem Mangel der Zeichen und der Fülle der Zeiten, auf die Welt der Werbung macht die Grundstruktur solcher Wünsche und ihr Weiterleben am Ende des 20. Jahrhunderts deutlich, in dem der Wettbewerb der Religionen sich im Rahmen der Globalisierung verschärft. Zugleich stellt das Video einen kritischen Kommentar zu den Apokalypse- oder Erlösungs-phantasien dar, die heutige Medientheoretiker anlässlich der „Heraufkunft“ der neuen (digitalen) Medien befallen haben. An dieser Stelle lassen sich auch Bezüge zum Werk Flussers herstellen.
Sigrid Schade ist seit 1994 Prof. für Kunstwissenschaft und Ästhetische Theorie an der Universität Bremen. Forschungsschwerpunkte: Kulturgeschichte der Kunst (bes: Renaissance, 19. und 20. Jahrhundert), Diskursgeschichte und Körper-Konzepte, Gender Studies, Wechselwirkungen zwischen Kunst und neuen Medien, Zeitgenössische Künstlerinnen, Wahrnehmungstheorie. Zahlreiche Publikationen, Bücher und Aufsätze. Zuletzt: Kunst als Beute. Zur symbolischen Zirkulation von Kulturobjekten. Hg. m. Gottfried Fliedl and Martin Sturm, Wien 2000. Stattgefunden am Dienstag, den 27. Juni 2000.

